Philomena bittet zum Tanz
Jahr: 2026
Komponist:Stephan Hodel
Oft liegt am Anfang eines musikalischen Gedankens eine Erinnerung. Ein Instrument, dessen Klang man seit Kindheitstagen kennt, ein Rhythmus, der sich unmittelbar festsetzt, oder eine Musik, die unvermittelt einen Zugang zu einer bislang unbekannten Welt eröffnet. Solche persönlichen Eindrücke können zu wichtigen Wegmarken einer musikalischen Entwicklung werden. In *Philomena bittet zum Tanz* greift Stephan Hodel verschiedene solcher Stationen aus seinem eigenen musikalischen Werdegang auf. Eine davon führt zurück zu seinem Grossvater und dessen Volksmusik, die er auf der Handorgel spontan und ohne feste Vorgaben spielte. Eine andere reicht in Hodels Jugendzeit zurück, als er die Musik von Blood, Sweat & Tears entdeckte. Später kam der Jazz hinzu, mit dem er sich während seines Studiums am Berklee College of Music in Boston intensiv auseinandersetzte. Aus diesen unterschiedlichen Erfahrungen, die zunächst kaum zusammenzugehören scheinen, formte sich mit der Zeit Hodels persönliche musikalische Handschrift. Diese verschiedenen Einflüsse bilden auch das klangliche Fundament des neuen Werkes. Schweizerische Tanzmusik und Ländler treffen auf die Energie des Jazz-Rock, moderne Big-Band-Sprache verbindet sich mit sinfonischen Klangvorstellungen. Dabei geht es nicht darum, die einzelnen Stile sauber voneinander zu trennen. Vielmehr lässt Hodel sie miteinander in Kontakt treten: Sie begegnen sich, überlagern sich, geraten in Spannung und entwickeln aus dieser Reibung immer wieder neue musikalische Möglichkeiten. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Tanz selbst. Der Rhythmus wird zum verbindenden Element zwischen den unterschiedlichen Klangwelten. Er gibt der Musik eine direkte und körperliche Qualität, bleibt dabei erdig und unmittelbar und hält die verschiedenen musikalischen Ebenen zusammen. Aus traditionellen Bewegungsmustern und modernen Klangvorstellungen entsteht so ein musikalischer Dialog, in dem Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffen. Und wer ist eigentlich Philomena? Vielleicht muss man sie gar nicht als konkrete Person verstehen. Eher scheint sie wie eine erfundene Figur, die als Wegweiserin durch die unterschiedlichen musikalischen Landschaften des Stücks führt. Sie lädt zum Tanz ein und bringt dabei Dinge zusammen, die auf den ersten Blick aus ganz verschiedenen Welten stammen. Gerade aus diesen überraschenden Begegnungen entsteht der besondere Charakter des Werkes: Musik, die persönliche Erinnerungen aufnimmt, Grenzen zwischen Stilen auflöst und daraus eine gemeinsame, bewegte Klangwelt entstehen lässt.